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Das Thomas-Mann-Museum in Nida, Litauen: Die Geschichte des Hauses, Innenansichten und Eindrücke (Das Thomas-Mann-Haus in Nidden)

 

Liebe Leserinnen und Leser!
 
Ich habe das Thomas-Mann-Museum in Nida (Nidden) bereits zum dritten Mal besucht. Es befindet sich in dem Sommerhaus, das sich der Schriftsteller einst selbst erbauen ließ. Mein erster Besuch liegt etwa 18 Jahre zurück – das muss im Sommer 2008 gewesen sein. Damals war das Museum noch nicht vollständig erschlossen und ich habe einiges anders in Erinnerung. Umso schöner war es, nun zum dritten Mal hierher zurückzukehren und alles in einem neuen Licht zu sehen.
 
In diesem Beitrag möchte ich meine persönlichen Eindrücke, zahlreiche Fotos und die bewegte Geschichte dieses Hauses mit Ihnen teilen.
 
ÜBER THOMAS MANN
 
Thomas Mann (1875–1955) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, Essayisten und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Weltweiten Ruhm erlangte er durch seine tiefgründigen psychologischen Romane und seine meisterhafte Prosa. Geboren in Lübeck als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, wandte er sich früh der Literatur zu. In seinen Werken thematisierte er mit feiner Ironie und komplexer Symbolik den Verfall des europäischen Bürgertums, den Konflikt zwischen Kunst und Leben sowie die Krisen des menschlichen Geistes. Damit wurde er zu einem unvergänglichen Klassiker der literarischen Moderne.
 
Sein größter literarischer Erfolg wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt – vor allem für seinen monumentalen Debütroman Buddenbrooks, der den Verfall einer Kaufmannsfamilie schildert. Weitere Meisterwerke erlangten ebenfalls weltweite Anerkennung: Der Zauberberg, der sich mit Krankheit, Zeit und dem Zustand der europäischen Zivilisation vor dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzt, sowie die Novelle Der Tod in Venedig, eine feinsinnige Erkundung von Schönheit und Vergänglichkeit. Neben seinem literarischen Schaffen trat Mann als engagierter Humanist hervor. Während des Zweiten Weltkriegs kritisierte er aus dem US-amerikanischen Exil heraus in seinen berühmten Radioansprachen den Nationalsozialismus und wurde so zur Stimme des „anderen“, demokratischen Deutschlands.
 
Für Litauen hat Thomas Mann eine ganz besondere Bedeutung aufgrund seiner engen Verbindung zu Nida. In den Sommern der Jahre 1930 bis 1932 lebte er in seinem eigens erbauten Sommerhaus auf dem Schwiegermutterberg (Uošvės kalnas). Fasziniert von der rauen Schönheit der Kurischen Nehrung, fand er hier nicht nur Erholung, sondern arbeitete auch intensiv an seiner Romantetralogie Joseph und seine Brüder. Heute dient das Sommerhaus als Thomas-Mann-Gedenkmuseum und Kulturzentrum. Jedes Jahr findet hier das Internationale Thomas-Mann-Festival statt, das die humanistischen Ideen des Schriftstellers und den kulturellen Dialog lebendig hält.
 
ÜBER DIE SOMMERRESIDENZ UND DAS MUSEUM IN NIDA
 
Der Bau des Sommerhauses in Nida begann, nachdem Thomas Mann und seine Familie im Sommer 1929 zum ersten Mal die Kurische Nehrung besucht hatten und von der Landschaft und der dortigen Stille vollkommen verzaubert waren. Er entschloss sich, hier ein Grundstück auf dem Schwiegermutterberg zu erwerben, von dem aus sich ein spektakulärer Panoramablick auf das Haff bietet. Das Haus wurde von dem jungen Architekten Herbert Reissmann im Stil der lokalen Fischerhäuser entworfen und 1930 fertiggestellt. Es war ein eleganter Holzbau mit Reetdach, gestrichen in den traditionellen Farben der Region: Ochsenblutrot und Blau.
 
Drei Sommer verbrachte Mann hier schreibend und erholend. Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 war der Schriftsteller zur Emigration gezwungen. Sein Besitz in Nida wurde beschlagnahmt und von der NS-Elite als Erholungsheim genutzt, das später den Namen „Elchwald“ erhielt.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude stark beschädigt und dem Verfall preisgegeben. Nach einer kurzen Phase der Vernachlässigung wurde es staatlichen Behörden und später der öffentlichen Bibliothek von Klaipėda unterstellt. In der Sowjetzeit, einige Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, entstand die Idee, diese historische Stätte wiederzubeleben. Das Verdienst für die Bewahrung des Andenkens an Thomas Mann in Nida gebührt litauischen Intellektuellen, Kulturschaffenden und Architekten. Sie restaurierten das Gebäude 1967 und richteten die erste Gedenkausstellung ein. Nach der Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit wurde das Sommerhaus in den Jahren 1995–1996 erneut umfassend restauriert. Gleichzeitig wurde das Thomas-Mann-Kulturzentrum gegründet, das seither von litauischen Intellektuellen und deutschen Partnern gemeinsam getragen und gefördert wird.
 
Heute fungiert das historische Gebäude als Thomas-Mann-Museum und ist zusammen mit dem Kulturzentrum ein lebendiger Ort der Begegnung. Besucher können das originalgetreu rekonstruierte Arbeitszimmer des Schriftstellers besichtigen, das mit zeitgenössischen Möbeln ausgestattet ist. Durch das Fenster blickt man auf das Kurische Haff – eine Aussicht, die Thomas Mann einst bewundernd als „Italienblick“ bezeichnete. Die Ausstellung zeigt einzigartige Archivdokumente, Briefe des Schriftstellers, Erstausgaben seiner Bücher, Manuskripte und persönliche Gegenstände. Eine moderne, interaktive Präsentation ermöglicht es den Besuchern zudem, tiefer in die Biografie des Autors, sein Werk und das Familienleben in Nida einzutauchen.
 
Das Haus und das Museumsgelände zählen zu den meistbesuchten Orten auf der gesamten Kurischen Nehrung und ziehen jährlich Tausende Gäste aus aller Welt an. Besonders viele deutsche Touristen, Literaturwissenschaftler und Kulturbegeisterte aus Litauen und dem Ausland kommen hierher. Jeden Sommer wird das Haus samt seiner Terrasse zum Schauplatz des Internationalen Thomas-Mann-Festivals. Es bringt Künstler aus Musik, Literatur und Film sowie Intellektuelle zusammen, um über die kulturelle Zukunft Europas zu diskutieren. Das Haus ist längst kein gewöhnliches Museum mehr – es ist ein lebendiger Raum für Begegnung, Humanismus, Toleranz und den Dialog zwischen den Nationen.
 
Ich lade Sie ein, das Museum in meiner folgenden Fotostrecke zu entdecken.

 













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